Warum denn grad Eisler

Foto: Matthias Klos

Gastspiel2 2016 / 17 in Planung

Anlässlich des 50. Todestages des österreichischen Komponisten Hanns Eisler wurde im Theater Nestroyhof / Hamakom in Wien „Warum denn grad Eisler“ uraufgeführt und hat aufgrund des großen Erfolges bereits mehrere Wiederaufnahmen erfahren.

„Warum denn grad Eisler“, eine politische Revue voll Tiefgang und Leichtigkeit mit Musik und Texten von Hanns Eisler unter dem Motto: “Entschuldigen Sie, es ist sehr produktiv diese Zeit zu verurteilen.”

 Hanns Eisler hinterlässt ein spannendes und umfassendes Œvre mit prägnanten Polit-und Theaterliedern, Arbeiterchören, Filmmusiken, wie auch komplexer Kammer- und Orchester-musik, u.a.„14 Arten den Regen zu beschreiben“. Immer wieder sieht er die Notwendigkeit, sich im Zeitgeschehen zu positionieren. Immer wieder scheitert er. Er schreibt ohne  Larmoyanz, dafür mit viel Esprit. Diese Widersprüche spiegeln sich in seiner Musik ebenso, wie auch der Versuch sie aufzulösen.

„Warum denn grad Eisler“, eine Hommage an den kleinen Mann, der überall aneckte und nicht nur musikalisch Maßstäbe setzte.

Anna Hauer                                                        Regie
Annette Fischer                                                  Gesang
Raphael von Bargen                                          Schauspiel
Armin Fuchs                                                       am Klavier
Kördölör                                                              Chor

 Annette Fischer/Anna Hauer                         Dramaturgie
Sabine Ott                                                           Kostüme
Andrea Korosec                                                  Lichttechnik
Annette Fischer                                                   Produktion

Pressestimmen
„ Warum denn grad Eisler… beeindruckte durch ihre tagesaktuelle Thematik …Unter der überaus intelligenten Regie von Anna Hauer musizierte und performte ein perfekt aufeinander abgestimmtes Trio … Der lyrische und an Timbre so reiche Sopran Fischers und von Bargens klarer, kräftiger Stimmeinsatz …(mit) seiner intensiv-extrovertierten Spielmanier .. und Armin Fuchs, der die beiden am Klavier, aber auch stimmlich begleitete …spannten einen glaubhaften Bogen zwischen Eislers Liedern, die er auf der Straße singen lassen wollte und jenen kunstvollen Kompositionen … Ergänzt …durch den Chor Kördölör … (der) unter der Leitung von Guillaume Fouchère eine eindrucksvolle Performance ablieferte.“(Michaela Preiner / European Cultural News)

„Man wird doch noch rhetorisch fragen dürfen! Warum denn grad Eisler … Die Antwort fällt nach Genuss des von Anna Hauer eingerichteten Abends mit herrlichem Gesang und skizzenhaftem Bühnenspiel …( über)das völlig irrwitzige Leben dieses Orpheus aus Wien, den es nach Berlin und anschließend in die Emigration verschlug, …umso leichter. Ohne dieses kleine, hochgebildete Energiebündel namens Eisler … wäre die Sache der „Neuen Musik“ bereits vor 60 oder 80 Jahren ein Gegenstand für Zahlenmystiker geblieben.
…Über allen aber schwebt Eisler, das Original: das wienerisch gefärbte Organ eines Weltbürgers, eines Sendboten der Intelligenz in der Musik … an diesem hinreißenden Abend (Ronald Pohl /Der Standard)

Hanns Eisler (1898 – 1962), Sohn eines Philosophen und einer Metzgerstochter, schreibt bereits in seiner Jugend in Wien Musik gegen den Krieg. „ Als ich sah, daß die Politik sich mit mir beschäftigte, hab ich mich mit Politik beschäftigt.“

 Er wird Meisterschüler bei Arnold Schönberg, dem er zeitlebens trotz ideologischer Zerwürf-nisse verbunden bleibt. Ende der 20-iger Jahre trifft er in Berlin den Dramatiker Bertolt Brecht, der Beginn einer höchst produktiven Zusammenarbeit und lebenslangen Freudschaft.

 Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seines politischen Engagements muss der Komponist Hanns Eisler während des NS-Regimes emigrieren. Nach Stationen in Europa und Mexiko verbringt er mehrere Jahre in den USA, wo er an Universitäten in New York und Los Angeles unterrichtet und auch für 2 Oscars nominiert wurde. Ein Verfahren vorm „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ führt 1947 zu seiner Ausweisung.

Der Österreicher Eisler kehrte über Prag nach Wien zurück, wo sich ihm jedoch nur wenige Arbeitsmöglichkeiten bieten. So nimmt er 1949 das Angebot einer Professur für Komposition in Ost – Berlin an. Trotz Ehrungen, die man ihm zukommen ließ, konnte er selbst dort nicht frei arbeiten.

„Den Haien entrann ich / die Tiger erlegte ich / aufgefressen wurde ich von den Wanzen.“
(B. Brecht)